Kurzurlaub & Krankenhaus

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Eine anstrengende Zeit liegt hinter mir, die so nicht geplant war. In der einwöchigen Chemo-Pause und in Absprache mit den behandelnden Ärzten haben wir uns für ein Thermalbad Urlaub in Bad Füssing entschieden. Zum ersten Mal also keinen individuellen Urlaub. Bad Füssing hat ca. 7500 Einwohner und an die 2,5 Millionen Übernachtungen ! Da hätte ich eigentlich schon stutzig werden müssen:). Nun gut, die Thermalbäder haben uns gelockt. In dem Ort gibt es einen wunderschönen Kurpark zum Verweilen und es finden regelmäßige Kurkonzerte statt. Auch für Radwanderer eine schöne Gegend. Übernachtet haben wir im Hotel "Ludwig Thoma". Die Zimmer versprühen den Charme der 70 – ziger Jahre, sehr gepflegt und die Betten sehr gut. Auch die Außenanlagen des Hotels laden zum Chillen ein. Im Hotel befindet sich ein kleines Thermalbecken (37 Grad Wassertemperatur) und ein Whirlpool. Der erste Eindruck war in Ordnung. Bei der Übernachtungszahl kann sich jeder vorstellen, dass Hotel an Hotel den Ort füllt. Oh je, überhaupt nicht unser Ding. Wir haben für die 4 Tage den Aufenthalt mit Frühstück gebucht. So richtig genießen konnten wir das Frühstück nicht. Der Gastraum für 180 Gäste viel zu klein, lieblose Aufschnitt-Platten, aber das schlimmste, in diesem Hotel mangelt es an Besteck! Am ersten Morgen habe ich mir ein Frühstücksei gegönnt- ups weder am Platz noch am Buffet kleine Löffel. Als ich die Verantwortliche für das Buffet nach kleinen Löffeln fragte, erhielt ich die "Knaller Antwort" "Löffel verschwinden durch die Gäste und ich kann keine zaubern" Wow

Mein Ei habe ich dann mit Hilfe des Messers genossen:). Am 2. Morgen befanden sich lange Löffel am Frühstücksplatz – sah lustig aus, kleine Kaffeetassen und dann der lange Löffel. Auch an diesem morgen suchte ich vergebens nach kleinen Teelöffel für das Ei. Es gab von einigen Gästen die Nachfrage von kleinen Löffeln, aber der Zauberer war noch nicht da. Am 3. Morgen lagen dann gebogene lange Löffel, die man eigentlich an ein Glas hängt und der Zauberer war auch noch nicht da. Am 4. Morgen wollte ich kein Ei mehr, ist ja auch ungesund. Abendbrot konnte man auch buchen, wir hatten uns für Essen a´la Carte entschieden. Wow es gab abends kleine Löffel!!! Bei dem Wetter haben wir draussen gegessen und ich habe die heiße Schlacht am kalten Buffet beobachtet. Mir fiel sofort das passende Lied von Reinhard Mey ein und musste schmunzeln. Da sich mein Gesundheitszustand sehr verschlechterte konnten wir nicht viel unternehmen, aber den Besuch auf dem Wochenmarkt musste ich schaffen. Herrlich das frische Obst, besonders die Reineclauden und das Gemüsesortiment – fantastisch. Übrigens Schlüppi, Hausschuhe, Kittelschürzen waren nicht vorhanden- super. Auf dem Markt gab es wirklich nur Genussmittel. Auf unserem Markt flattern da eher die Schlüppis und Unterhemden :))) So haben wir auch mal Urlaub in einem Ort ,der fast nur aus Hotels besteht, kennengelernt. Muss ich nicht noch einmal haben. Ach übrigens, entsprechend der Besucher waren auch die Thermalbäder gefüllt.

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Samstag zu Hause angekommen wurden wir mit einem schönen Essen und mit Blumen geschmücktes Wohnzimmer von unserem Großen empfangen.

Sonntag ging es dann ins Krankenhaus der Charité Mitte. Aufgrund meiner immer stärker zunehmenden Schmerzen und den sich ausbreitenden ungebeten Gast in meinem Körper erhielt ich die Chemotherapie und eine neue Schmerztherapie. Ich möchte mich bei dem gesamten Team der Station 107B für die sehr liebevolle Betreuung bedanken. Ich wurde sehr gut um- und versorgt.

In der ersten Nacht war ich noch allein im Zimmer - ein Glück – die Mitpatienten hätten keine ruhige Nacht gehabt. Meine Schmerzattacken kamen stündlich.

Ich erhielt von der Station im Namen der Seniorensportgruppe Straußberg ein genähtes Herzkissen mit diesem Spruch

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Vor 2 Jahren mit Beginn der Therapie habe ich schon ein Kissen erhalten und bin beeindruckt, dass die Senioren diese liebevollen Kissen ehrenamtlich für uns Krebspatienten nähen, und uns Kraft schenken möchten. Das Kissen hat bei mir einen Ehrenplatz in meinem Kuschelsessel und in schlappen Zeiten habe ich es oft geknuddelt. Danke liebe Seniorinnen, es ist großartig!!!!

Am Montag erhielt ich dann Gesellschaft im Zimmer. Wir haben sofort einen Draht zueinander gefunden und kamen aus dem Quasseln nicht heraus. Beide hatten wir zwar kleine Wortfindungsstörungen, meine Zimmerpatientin wurde erst vormittags operiert und ich stand unter Einfluss von Medikamenten. Irgendwann waren wir beide doch sehr müde und dank der neuen Schmerztherapie konnte ich ohne Schmerzen die Nacht verbringen. Am nächsten Morgen haben wir gemütlich gefrühstückt, die aufgehende Sonne über Berlin aus dem 7. Stock genossen und es gab kleine Löffel:) zum Frühstück:) Da ich, durch die super Betreuung des Ärzteteam und der Schwestern sowie dem sozialen Dienst, entsprechend den Umständen meiner Erkrankung wieder "funktionsfähig" war, stand die Entlassung für den Tag an. Meine Mitpatientin war sehr traurig- beide waren wir traurig- und ich habe mein Kissen an Katrin weitergegeben. Aufgrund Ihrer Diagnose musste es alles sehr schnell gehen und kam so nicht in den Genuss eines Kissen mit den wohltuenden Worten der Seniorensportgruppe. Auch dieses Kissen findet bei Katrin einen Ehrenplatz. Kopf hoch, wir haben eine so tolle medizinische Versorgung. Wir kämpfen! Am Montagabend habe ich noch einen Überraschungsbesuch einer Mitstreiterin aus dem vorherigen Chemo-Zyklus bekommen. Wir haben noch sehr regen Kontakt und freuen uns auf den diesjährigen Hygge-Tag.

Zu Hause angekommen musste ich mal wieder Kontakt mit meiner Krankenkasse aufnehmen. Das Niveau der Arbeit dieser Krankenkasse habe ich ja schon in einem älteren Beitrag aufgezeigt.

Das Gespräch war sehr Kräfte zehrend und unverschämt. Habe ich etwas anderes erwartet? Nö eigentlich nicht. Seit dem ich an Krebs erkrankt bin und ich als Mitglied meiner Krankenkasse teurer geworden bin, habe ich den Eindruck, dass mir viele Hürden und Steine in den Weg gelegt werden. Ich habe nicht die Kraft für die wahnwitzige Bürokratie. Auch hier fällt mir ein Lied von Reinhard Mey ein...einen Antrag für den Antrag...........

Diesen ganzen Schwall von leeren Worten...Entbürokratisierung.....alles zum Wohle des Patienten...aber nicht bei meiner Krankenkasse, die sich ja nur auf die gesetzlichen Bestimmungen beruft...komisch bei anderen Krankenkassen geht so einiges, besonders bei Krebspatienten.

Genug geärgert, solche Menschen sind es nicht wert!

Ihr Lieben, mit neuen Rezepten wird es vorläufig nichts:(( noch zu schlapp für neue Ideen.

Jetzt werden wir erstmal das Wochenende mit sommerlichen Temperaturen genießen.

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